(zusammengestellt von Torsten Blume, Bauhaus Dessau)
Die wachsende Ausstellung „Neuigkeiten von Gestern - Magdeburg auf dem Weg zur großen Deutschen Theaterausstellung 1925-1927“, die wir im letzten Jahr im Forum Gestaltung eröffnet haben, widmet sich der Erinnerung an die Ideen, Visionen, Hoffnungen, aber auch Konflikte, die in Magdeburg die Vorbereitungen für die „Deutsche Theaterausstellung“ geprägt haben. Sie ist eine wachsende Mixed-Media-Installation, die mit Fotos, Figurinen und Dokumenten stetig ergänzt und weiterentwickelt wird. Die Ausstellung mit Studio-Charakter ist damit auch ein erster Beitrag und Teil der Vorbereitungen zu einem für 2027 in Magdeburg geplanten „Festival der Moderne“, das dem 100jährigen Jubiläum der „Deutschen Theaterausstellung“ gewidmet ist und an dem sich das Forum Gestaltung u.a. mit dem Ausstellungsprojekt „Welttheater – Theaterwelten“ (Arbeitstitel) beteiligen wird. Wie schon 2025 orientieren sich auch 2026 die Ergänzungen an lokalen und nationalen, aber auch internationalen Ereignissen und Entwicklungen, welche die Entwicklung der „Deutschen Theaterausstellung“ vor 100 Jahren - das heißt 1926 - geprägt haben.
Der Januar2026 steht im Zeichen von Goethes Faust und seiner Rezeption um 1926.
Im Januar wird die wachsende Ausstellung durch einige Bilder und Texte ergänzt, die darauf verweisen, dass Goethes „Faust“ auch auf der „Deutschen Theaterausstellung“ in Magdeburg sowohl mit Bildern und Modellen von historischen Aufführungen, als auch mit solchen zu aktuellen Inszenierungen präsent gewesen ist, zu denen auch der 1926 uraufgeführte Film „Faust – eine deutsche Volkssage“ des expressionistischen Regisseurs Friedrich Wilhelm Murnau gehörte. So wird die Faust-Verfilmung von Murnau 1927 nicht nur in der Sonderausstellung „Theater und Film“ thematisiert. Im Kino der Theater-Ausstellung hält der Julius Germanist Petersen – der sich nach 1933 zum Nationalsozialismus bekennt und 1934 über „Die Sehnsucht nach dem Dritten Reich in deutscher Sage und Dichtung“ schreiben wird, 1927 einen Vortrag über verschiedene Versuche, Goethes Faust zu inszenieren und spannt dabei den Bogen von der ersten Aufführung im Jahre 1819 bis zur Gegenwart. Denn der „Faust“ gilt in den 1920er Jahren, nicht nur als ein zeitloser Klassiker, der in vielen, oft reich illustrierten gedruckten Ausgaben – zum Beispiel 1925 durch Harry Clarke -publiziert wird. „Faust“ inspiriert zugleich immer wieder zeitgenössische Rezeptionen und Theaterinszenierungen; zum Beispiel die 1925 von Oskar Schlemmer ausgestattete Aufführung am Nationaltheater in Weimar. Dabei werden die im „Faust“ verhandelten Fragen nach Erkenntnis, Verführung und Sinnsuche neu verhandelt. Nicht selten wird – wie in Murnaus Film von 1926 - die von Goethe beschriebene Verführung Fausts durch Mephisto auch als Metapher für die Verlockungen der neuen Technisierung und die moralischen Freiheiten in der von tiefgreifenden sozialen und kulturellen Umbrüchen geprägten Zeit der Weimarer Republik interpretiert.
Das Forum Gestaltung zeigt den Stummfilmklassiker von Murnau am Sonnabend, 24.01.2026 um 19.30 Uhr.
Insbesondere Murnaus Faust-Verfilmung kann als exemplarisch für das moderne, aber gleichwohl traditionsbewusste Konzept der „Deutschen Theaterausstellung“ betrachtet werden, wie es Adolf Winds – damals Oberspielleiter des Städtischen Theaters Magdeburg – bereits am 15. Juni 1925 in seinen Grundzügen entwickelt hatte. In der von ihm vorgeschlagenen „Ausstellung für Kunst und Technik des deutschen Theaters der Gegenwart 1914—26" sollen zunächst die expressionistischen und modernistischen Aufbrüche zu einer neuen deutschen Theaterkultur im Mittelpunkt stehen. Im Zuge der weiteren Ausstellungsvorbereitungen erhält die Vermittlung einer deutschen Theatergeschichte seit dem Mittelalter mehr und mehr Gewicht. Dazu wird auch die Zusammenarbeit mit Franz Rapp – dem Direktor des Münchner Theatermuseums – intensiviert. Doch zunächst wird Rapp damit beauftragt, eine „Historische Einführungsabteilung“ zu planen, die „hinter dem übrigen Inhalt der Ausstellung nach Umfang und innerem Gewicht etwas zurücktreten sollte“. Im Januar 1926 gibt sich die Ausstellung den Namen „Maske Magdeburg 1926". Damit sollte zum einen mit der Betonung der Maske als ein Theaterrequisit, das unmittelbar mit dem Körper verbunden ist, auf „das innerste Wesen der Bühne“ als ein Ort der Verwandlung des Menschen verwiesen werden. Zum anderen war „Maske“ als eine „Namensabkürzung des ganzen Unternehmens gegeben war: Magdeburger skenische Ausstellung“ gedacht. Indem das aus dem altgriechischen Theater abgeleitete Adjektiv „skenisch“ statt „szenisch“ verwendet worden ist, sollte damit auch auf die mehr als 2000jährige Geschichte der Theaterkunst betont werden und damit auf die historische Dimension des Ausstellungsprojektes hingewiesen werden. Doch zunächst steht der Gegenwartsbezug der geplanten Ausstellung noch im Vordergrund. Wilhelm Deffke arbeitet an einer modernen architektonischen und grafischen Gestaltung des Projektes, für das er zwei große Ausstellungshallen, ein eigenes Ausstellungstheater und ein Ausstellungsplakat entwirft.