„Ich bin 1929 in Dresden geboren. Nach dem Abitur machte ich dort eine Handwerkslehre als Steinbildhauerin. Von 1950-54 studierte ich Bildhauerei, von 1959-64 Keramik an der Burg Giebichenstein in Halle. Von 1970-89 war ich dort als Lehrerin tätig. Ich bin mit einem Maler verheiratet und habe 4 Kinder.“
Zwei Jahre vor ihrem Tod im Dezember 2002 schreibt Gertraud Möhwald diesen kurz gefassten Lebenslauf. Zu dieser Zeit ist die Keramikerin und Bildhauerin bereits seit vielen Jahren weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Gleich an welchem Ort in der Welt vermögen Menschen allein durch die eigene Lebenserfahrung den emotionalen Ausdruck der figürlichen Plastiken dieser Künstlerin zu deuten.
Wer ist diese Bildhauerin, der eben das gelingt? Wer ist diese Frau, die um Raum und Zeit für die eigene künstlerische Arbeit ringt, und zugleich versucht, ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter gerecht zu werden? Wer ist diese Keramikerin, die die Fähigkeit hat, auch widrigen Umständen Positives abzugewinnen und daraus Hoffnung und Kraft schöpft?
Wie viele Menschen in Ostdeutschland hat sie sich Freiheit und Unabhängigkeit bewahrt. Nach 1989 ändern sich die äußeren Lebensbedingungen, nicht aber die Themen und Formate ihrer Kunst.
Gertraud Möhwald hinterließ neben ihrem künstlerischen Werk zahlreiche schriftliche Zeugnisse authentischer Selbstwahrnehmung und kluger Weltbeobachtung. Renate Luckner-Bien hat diese lesenswerten Texte und Briefe zusammengetragen und mit zahlreichen Abbildungen von Gertraud Möhwalds Keramiken veröffentlicht.
Das Buch bietet einzigartige Einblicke in Möhwalds Werk und zugleich in die politischen und gesellschaftlichen Kontexte ihrer Zeit. Alena Fürnberg und Renate Luckner-Bien stellen Gertraud Möhwalds Leben und Werk in Wort und Bild vor.
Das Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg hat in seinem Besitz auch eine Reihe von keramischen Arbeiten Gertraud Möhwalds, darunter vier in den Jahren zwischen 1971 und 1997 entstandene figürliche Plastiken. Gezeigt wurden ihre Arbeiten im Rahmen der zwischen 1977 bis 1989 vom Verband Bildender Künstler veranstalteten Triennalen „Keramik in der DDR“, in der 1992 vom Museum Haus Opherdicke kuratierten Ausstellung „Keramik aus Sachsen-Anhalt“ sowie 1992 in der Ausstellung „Befragung der Räume“.
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